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Freundeskreis feiert 30 Jahre Bestehen in Mengen

General a.D. Wolfgang Schneiderhan mit der Herzog-Carl-Medaille ausgezeichnet


Bei einer kleinen Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen des Freundeskreises der Bürgerwehren in Baden-Württemberg ist dem General der Bundeswehr a. D. Wolfgang Schneiderhan am Samstag in Mengen die höchste Auszeichnung der Bürgerwehren verliehen worden: die Herzog-Carl-Medaille. Wie Urban Bacher, der Vorsitzende des Freundeskreises, in seiner Laudatio erklärte, bilde Schneiderhan ein „wichtiges Bindeglied zwischen der Heimat der Wehren und ihren Werten zu Militär, Politik und in die weite Welt“.

Gern hätte man das Jubiläum des Freundeskreises mit öffentlichen Aufmärschen, einem richtigen Festakt und einer Abendserenade mit Großem Zapfenstreich gefeiert. „Der aktuellen Corona-Verordnung zufolge hätten wir aber für eine solche Veranstaltung einen ,kontrollierten Zugang’ garantieren müssen, was im Stadtgebiet schlicht nicht möglich ist“, sagte Bürgermeister Stefan Bubeck mit Bedauern. Stattdessen traf sich nun nur ein kleiner Kreis an Mitgliedern und Freunden der Bürgerwehren, darunter Stephan Neher, Oberbürgermeister aus Rottenburg, die Bürgermeisterin von Lauchheim Andrea Schnele sowie Joachim Butz, der persönliche Referent von Carl Herzog von Württemberg, der den Freundeskreis seinerzeit ins Leben gerufen hatte und selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Mengen kommen konnte.

Bewahrung der Heimat und des Glaubens sowie der Schutz der Stadt und ihrer Gemeinschaft – dies sind laut Urban Bacher die Wurzeln der Bürgerwehren. „In der Uniform sind alle Menschen gleich, das ist sympathisch und modern“, sagte er und stellte seine Aussage in Bezug zum ersten Artikel des Grundgesetzes, der von der Menschenwürde handelt. Wolfgang Schneiderhan sei in seinen Augen ein Mensch, der sich dieser Wurzeln auch in seiner militärischen Laufbahn stets bewusst gewesen sei und dem es immer um Werte gegangen sei. „Werte brauchen Wurzeln, eine Verankerung in der Heimat und der Familie. Viel Liebe zu sich selbst und zu den Menschen ist notwendig, ein feines Gespür für Demut und für das Machbare auch“, sagte Bacher. So sei Schneiderhan zum Generalinspekteur geworden, zum höchsten General der Bundeswehr. Im Ruhestand sei er Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft und Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge geworden. Gleichzeitig setze er sich mit Herz und Überzeugung für die Bürgerwehren ein und sei schon oft als Ehrenoffizier ohne Uniform mit der Bürgerwache Mengen marschiert.

Schneiderhan zeigte sich in seiner Replik gerührt und bedankte sich für die schönen Erlebnisse mit der Bürgerwache beispielsweise in Rom oder Dresden. „In meiner beruflichen Karriere habe ich nicht oft so eine Kameradschaft genossen“, gab er zu. Deshalb sei er nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr auch nicht – wie vielleicht von einigen befürchtet – in ein tiefes Loch gefallen. Seiner Meinung nach seien die wertebehafteten Säulen Brauchtum, Tradition und Bürgertum, die eine Bürgerwehr, aber auch eine Gesellschaft stützen, im Bestand gefährdet. „Weil sie als selbstverständlich angesehen und nur nachlässig gepflegt wurden“, erklärte er. „Oder weil sich die falschen Leute berufen fühlen, sie zu pflegen.“ Vor allem junge Leute würden sich heute fragen, was sie von einer Mitgliedschaft in einer Bürgerwehr hätten.

„Man erlebt in der Gruppe Kameradschaft und Sicherheit, aber auch Unterstützung und Hilfe“, so Schneierhan. Man müsse sich auch denjenigen stellen, die mit dem Tragen von Waffen ein Problem hätten. „Posaune und Querflöte geht“, sagte er in Richtung des Musikzugs, der die Feierstunde mitgestaltet hatte. „Bei Gewehr und Säbel sehen das viele Eltern anders.“ Dabei sei der Gedanke zur Wehrhaftigkeit und Schutz der Stadt doch gerade, denen Waffen zu geben, die Charakter hätten und die sich ihrer Verantwortung bewusst seien. „So hätte ich das jetzt tatsächlich auch vor Bundeswehrsoldaten gesagt“, schloss er.

Text und Bild: Jennifer Kuhlmann, Schwäbische Zeitung Ausgabe Bad Saulgau

Bürgerwachjahrtag nach langer Pause wieder gefeiert

Die Geehrten nach Erhalt ihrer Urkunden

Mit einem halben Jahr Verspätung durften wir wieder unseren traditionellen Jahrtag feiern. Bis zum 24. Juli mussten wir warten, damit wir unsere Tradition fortführen konnten.

Da immer noch einige Vorgaben zu beachten sind, mussten wir auf die Kameraden aus Sigmaringen, Munderkingen, Altshausen, Weingarten und Friedrichshafen verzichten. Lediglich unsere Patenwehr, die Bürgerwache Saulgau und die Stadtgarde zu Pferd Saulgau waren mit Abordnungen vertreten. Dass unser Kamerad Major Josef Wielander aus Schlanders in Südtirol den langen Weg über die Alpen auf sich nahm um mit uns zu feiern, das hat uns alle besonders gefreut.

Nun war erstmals seit der Beisetzung von Ehrenoberleutnant Otto Bacher im vergangenen Jahr die Bürgerwache in Marschformation wieder in den Straßen der Stadt unterwegs. Im Rahmen der Eucharistiefeier auf dem Platz vor der Liebfrauenkirche gedachten wir der Verstorbenen der vergangenen zehn Jahre. Major und Kommandant Georg Bacher verlas deren Namen, und die Stadtkapelle als Musikzug der Bürgerwache spielte dazu das Lied vom guten Kameraden. 

Anschließend rief Major Bacher die Kameradinnen und Kameraden auf, die für mehrjährige Treue im bunten Rock der Bürgerwache die Auszeichnungen des Landesverbands der Historischen Bürgerwehren und Stadtgarden in Württemberg und Hohenzollern, und die der Stadt Mengen erhielten. Dies sind die Unteroffiziere Larissa Locher, Nadine Müller, Nina Rometsch, Hans-Dieter Offner und Max Stöhr für zehn Jahre.  Die Oberfeldwebel Matthias Graus, Johannes Leis und Volker Reitter wurden für zwanzig Jahre geehrt. Dreißig Jahre dient bereits der Oberfeldwebel Stefan Jäger und unser Gespannführer Karl Scheb (auch Kanonen-Karle genannt). Er und Nina Rometsch erhalten die Auszeichnungen zu einem späteren Zeitpunkt, da sie an der Teilnahme am heutigen Tag verhindert waren.

Die Abzeichen in Gold für 50 Jahre Treue erhielt Oberfeldwebel Alois Boßlet vom I. Zug. Zusammen mit dem Kommandanten schritt er zu den Klängen des Präsentiermarsches die angetretene Front der Bürgerwache und der Abordnungen ab.

Währenddessen haben die fleißigen Hände aus den Reihen der Bürgerwache, das sind die Familien Krezdorn und Rebholz und weitere Helferinnen und Helfer, alles für den gemütlichen Teil den Frühschoppen vor dem Bürgerwachheim und der Martinskirche  hergerichtet. Zur musikalischen Unterhaltung hatte der Musikzug die Instrumente nochmals ausgepackt.

Zu Beginn seiner Begrüßung bat Georg Bacher um ein Gedenken für den verstorbenen Bürgermeister der Partnerstadt Boulay/Moselle, André Boucher,  dessen Beisetzungsfeierlichkeiten zu diesem Zeitpunkt stattfanden. Bachers Dank- und Willkommensgruß galt den Geistlichen für den Gottesdienst,  allen Helferinnen und Helfern im Bereich der Gastronomie aus der Wehr und dem FC Mengen, den Kameraden aus Bad Saulgau und Schlanders sowie den Ehrengästen. Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU), seit Jahren passives Mitglied der Bürgerwache, nannte die Begegnung zum Feiern, Freundschaft und Kameradschaft pflegen für besonders wichtig nach monatelanger notwendiger Abstinenz. Gerne denke er an die Reisen nach Rom und Berlin zurück, an denen er teilnehmen durfte. Sie blieben ihm in bleibender Erinnerung. Bareiß rief auch dazu auf, die Impfangebote wahrzunehmen und dazu beizutragen, sich und andere vor Krankheiten zu schützen. 

Hauptmann Dirk Riegger, Kommandant der Bürgerwache Saulgau bedankte sich für die Einladung der beiden Saulgauer Traditionsverbände. “Es ist wunderschön, mal wieder in Uniform zusammen zu sein”, rief Riegger den Gästen zu. Als er in diesem Jahr wieder ausrücken durfte, habe er sich dermaßen gefreut, dass er mit einem breiten frohen Grinsen Mühe gehabt habe, zuhause durch den Türstock zu kommen. Allgemeines Gelächter und Beifall waren ihm ob seiner Figur sicher.

Danach war es wieder an Major Bacher, die zuvor Geehrten vorzurufen und ihnen die Urkunden zu überreichen. Dabei hatte er für Jede und Jeden mehr als eine Anekdote parat.

 



Die Bürgerwache trauert um ihr Ehrenmitglied

Walter Flaisch

Walter Flaisch trat 1959 in die Bürgerwache ein und war bis zu seinem Ausscheiden nach 41 Dienstjahren im Jahr 2000 dem Spielmannszug ein treuer Trommler-Kamerad. Nach seiner aktiven Zeit hat er immer wieder mit großer Freude gerne ausgeholfen, wenn an der Fasnet oder bei den Geburtstagsständchen Not am Mann war. Sein freundliches und kameradschaftliches Wesen war sehr geschätzt. Immer wieder hat Walter Flaisch mit humorvollen Auftritten für Stimmung und Heiterkeit gesorgt, nicht zuletzt bei den Spielmopsbällen in früheren Jahren. Anlässlich seines 80. Geburtstags ließ er sich von seinen Kameradinnen und Kameraden des Spielmannszugs nicht nur musikalisch beehren, er holte seine geliebte Trommel aus dem Haus und zeigte, dass er das “Handwerk” noch nicht verlernt hat.
 
Aber nicht nur das Trommeln war seine große Leidenschaft. Er verfügte auch über ein sängerisches Talent, das er nicht nur bei verschiedenen Chören, sondern auch im Bürgerwach-Chor im 1. Tenor einbrachte.  Beim Geburtstagsständchen überbrachte  Leutnant Manfred-Hermann Müller zwischen den Musikstücken die Glückwünsche des Kommandos und der gesamten Wehr. “Musik und Gesang begleiten dich schon dein ganzes Leben”, sagte Müller, der auch die Funktion des Tutors beim Chor inne hat. “Die Marschmusik begleitete dich schon auf so manchem Kilometer, den du mit deinen Kameraden vom Spielmannszug zurückgelegt hast. Die damit verbundenen Erlebnisse sind dir sicher noch in guter Erinnerung”. Der Gesang habe es ihm angetan, fuhr Müller fort. Er sei ein gefragter Tenor und könne auf eine ganze Reihe von Engagements in Chören zurückblicken. Walter Flaisch und seine markante Tenorstimme werden im Chor fehlen.