Bürgerwehren der ehemaligen vorderösterreichischen Donaustädte gratulieren Bad Waldsee zum Stadtjubiläum
Gleich drei markante Zahlen prägen das Festjahr: 1.100 Jahre erste urkundliche Erwähnung als Walahse, 600 Jahre Bau des historischen Rathauses und 70 Jahre Prädikatisierung als bedeutender Kurort mit der Bezeichnung „Bad“ im Stadtnamen.
Obwohl verhältnismäßig weitab der Donau gelegen, gehörte das heutige Bad Waldsee mehrere Jahrhunderte zu den vorderösterreichischen Donaustädten, zusammen mit Mengen, Saulgau, Riedlingen und Munderkingen. Im Gegensatz zu diesen vier Orten hat Bad Waldsee allerdings keine historische Bürgerwehr.
In besonderer Erinnerung an diese gemeinsame Zeit, gratulierten die vier Bürgerwehren zu diesem Geburtstag mit einem Aufmarsch durch die Stadt bis zur sogenannten Bleiche und der Aufführung des Großen Zapfenstreichs durch die Bürgerwache Mengen.
Mit einer umfassenden Information wurde dem Publikum über Lautsprecher die Bedeutung, die Ursprünge und Abläufe dieses Zeremoniells bekanntgegeben, ebenso das Verhalten bis zum Abschluss mit der Nationalhymne.
Mit angetreten waren neben den vier Bürgerwehren die Pipes and Drums aus Bad Waldsee mit Verstärkung durch die Bad Saulgauer Crown-Swamp Pipers , die Musikkapellen aus dem gesamten Bad Waldseer Stadtgebiet und die Vereine mit Abordnungen, Fahnen und Standarten. Die Partnergemeinde Canton de Bâgé in der französischen Bresse war mit einer Abordnung der dortigen Feuerwehr vertreten.
Der Aufführung des Großen Zapfenstreichs ging eine Serenade mit dem Musikstück „Highland Cathedral“ voraus, an dem alle Blaskapellen als Gesamtchor unter der Stabführung von Dr. Ralf Uhl mitwirkten.
Mit langanhaltendem Beifall bedankten sich die zahlreichen Zuschauer bei den Mitwirkenden für das beeindruckende Schauspiel. Großes Lob und Dank entbot Oberbürgermeister Matthias Henne zum Abschluss der Veranstaltung, nachdem Major Georg Bacher, Kommandant der Mengener Bürgerwache den Großen Zapfenstreich bei ihm abgemeldet hatte.
Bürgerwache stellt Maibaum auf
Stadtsoldaten erwecken Brauchtum zum neuen Leben
Im Zeichen des Jubiläumsjahrs mit 750 Jahre Stadterhebung, 60 Jahre Städtepartnerschaft mit Boulay-Moselle, dem Landestreffen der Historischen Bürgerwehren und Stadtgarden in Württemberg-Hohenzollern und den Heimattagen hat die Bürgerwache beschlossen, auf dem Platz vor dem Rathaus einen Maibaum aufzustellen.
Dieser Aktion ging Folgendes voraus:
Erster Tag in Uniform wird zum kleinen Oberschwäbischen Landestreffen
Nicht nur die Bürgerschaft freut sich zu Beginn jeden Jahres am dritten Samstag im Januar auf den Bürgerwachjahrtag, sondern auch die befreundeten Garden und Wehren aus der Nachbarschaft. Nach und nach haben sich Abordnungen aus Bad Saulgau, Sigmaringen, Altshausen, Munderkingen, Ehingen und Friedrichshafen teilweise in erstaunlicher Mannschaftsstärke vor dem Bürgerwachheim eingefunden, und sind zusammen mit der Mengener Wehr zur Liebfrauenkirche marschiert.
Im der vom Musikzug und dem Bürgerwachchor musikalisch umrahmten Eucharistiefeier gedachten die Bürger im bunten Rock auch der verstorbenen Kameradinnen und Kameraden.
Im vollbesetzten Ennetacher Bürgerhaus hieß Major und Kommandant Georg Bacher die Aktiven, Passiven und Gäste aus den Familienangehörigen und der Bürgerschaft willkommen. Den Glückwunsch der Bürgerwache entbot Bacher dem zum Stadtmusikdirektor ernannten Dirigenten des Musikzugs, Dr. Ralf Uhl. Seinem Dank an die Geistlichkeit für den Gottesdienst fügte der Kommandant dem Team des FC Mengen für die Bewirtung und den Familien Krezdorn und Rebholz für den Betrieb der Küche an.
Dem wenige Tage zuvor verstorbenen Kameraden des I. Zugs, Mario Hecht gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute.
Im Rückblick auf die Aktivitäten und besonderen Ereignisse im vergangenen Jahr hob Georg Bacher das Landestreffen in Bad Saulgau, sowie die Teilnahme an den Heimattagen Baden-Württemberg im badischen Weinheim hervor. Dort nannte er vor allem die Aufführung des Großen Zapfenstreichs durch die Bürgerwache Mengen.
Große Vorhaben werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. So stehen im laufenden Jahr nicht nur erneut die im Abstand von jeweils vier Jahren staffindenden Heimattage an, sondern auch das Jubiläum 750 Jahre Bürgerwache. Damit verbunden richtet Mengen das Landestreffen der Bürgerwehren und Stadtgarden in Württemberg-Hohenzollern aus. Zur Erklärung für die zivilen Gäste gab Bacher Einblick in die Geschichte der Bürgerwehren damals und inzwischen heute.
Einen besonderen Gruß und Dank entbot Bürgermeister Philip Schwaiger der Bürgerwache für die Abhaltung des Jahrtags, sowie das Hochhalten dieser besonderen Tradition. Mit Blick auf die aktuellen Krisenherde in der Welt halte er es für äusserst wichtig, zusammenzuhalten. Mit einem Vergeltsgott für das gute Miteinander rief der Bürgermeister zur Zuversicht auf.
In weiteren Grußadressen erbrachte Ehrenleutnant Stefan Bubeck die Grüße der Landrätin, und in seiner Eigenschaft als Stellvertreter des Vorsitzenden des Freundeskreises der historischen Bürgerwehren, Bürgermilizen und Stadtgarden in Baden-Württemberg dessen Grüße und Wünsche. Die Ankündigung einer ahnsehnlichen finanziellen Unterstützung durch den Freundeskreis zu den Kosten des Landestreffens, erbrachte Bubeck besonderen Beifall.
Hauptmann Josef Stocker, Kommandant der Bürgerwache Ehingen und Mitglied im Beirat des Landeskommandos dankte der Bürgerwache für die Bereitschaft, in diesem Jahr nach 13 Jahren Unterbrechung wieder das Landestreffen auszurichten.
Den Reigen der Redner schloss der Kommandant der Bürgerwache Saulgau, Hauptmann Dirk Riegger. Besonderen Wert legte Riegger auf die Bezeichnung „Gedde“ als Vertreter der Patenwehr. Beim Musikzug bedankte sich Riegger in besonderer Weise für die musikalische Gestaltung des Frühschoppens anlässlich des Landestreffens im Vorjahr, und den Kanonieren für das Tagwachtschießen von der Schillerhöhe.
Danach ließ der Kommandant die heuer für mehrjährige Treue im aktiven Dienst auszuzeichnenden Musikerinnen, Musiker, Spielleute und Gardisten antreten. In seiner ausführlichen Laudatio wusste Georg Bacher für Jede und Jeden einiges zu erzählen, das für Heiterkeit im Publikum sorgte und zeigte, dass er sich bei der Vorbereitung viel Mühe macht.
Die Wahlen der Beisitzer, des Schriftführers und der Kassenprüfer verliefen gewohnt unspektakulär mit sozialistischen Ergebnissen, soll heißen, jeder Kandidat heimste 100 Prozent Zustimmung ein.
Die Auszeichnungen des Landesverbands und der Stadt hefteten Major Bacher und Bürgermeister Schwaiger den Geehrten ans Revers.
Auftritte von Bürgerwachchor, Musikzug und Spielmsnnszug beendeten diesen Festtag.
Dank an Markus Haile für die Fotos
Bürgerwache blickt bei Hauptversammlung auf das vergangene Jahr und das beginnende Jubiläumsjahr
Traditionsgemäß startete die Bürgerwache ihr Dienstjahr mit der Generalversammlung am Dreikönigstag.

Im gut besetzten Probelokal der Stadtkapelle besuchten nach einem Jahr Abstinenz die Sternsinger die Versammlung und am Beifall der Stadtsoldaten war zu spüren, dass der Besuch und der Segen der Sternsinger unbedingt zum Auftakt des Dienstjahres gehören

Major Bacher eröffnete danach die Sitzung und begrüßte neben den Aktiven der Wehr das Stadtoberhaupt Bürgermeister Philip Schwaiger, Ehrenoffizier Dekan a.D. Heinz Leuze und Ehrenleutnant Stefan Bubeck.

Zur Gedenkminute für die verstorbenen Mitglieder der Wehr erhoben sich die Teilnehmer der Versammlung. Die Bürgerwache musste im vergangenen Jahr von 5 Kameraden Abschied nehmen.
Anschließend gab Georg Bacher seinen Rechenschaftsbericht über das vergangene Jahr, in dem die Teilnahme an den Heimattagen Baden Württemberg in Weinheim herausragend war.
Die Bürgerwache hat bei diesem Heimatfest den Landesverband der Garden und Wehren Württemberg-Hohenzollern vertreten und einen vielbeachteten Zapfenstreich aufgeführt.

Michael Feinäugle bedankte sich beim Spielmannszug bei vier Kameraden für ihre vorbildliche Probenteilnahme und erinnerte an die bevorstehenden Termine wie das Wertungsspiel in Dietenheim, das Landestreffen und die Heimattage in Mengen.
Für die Vorbereitung zu diesen Auftritten erwartet er eine disziplinierte Probenteilnahme.

Das Zahlenwerk von Schatzmeistet Manfred Paul Müller steht schon für die Buchhaltung eines kleineren Betriebs, da die Investitionen der Bürgerwache für Instandhaltung und Neubeschaffung von Uniformen und des Eigenbetriebs eine Menge Posten generiert. Rund 16.000.- Euro hat die Bürgerwache im vergangenen Jahr dafür investiert.

Joachim Krezdorn, Ansprechpartner auf Seiten der Bürgerwache für die Biergarten-Bewirtung am Kreuzplatz bei Mengen International, bedankte sich bei Klaus Voggel für die perfekte Planung bei diesem erfolgreichen Projekt. Positiv eingeschlagen hat auch die Bereitschaft der Teams für die Bewirtung im Bürgerwachheim beim Dämmerschoppen.
Ein Schmankerl für ihn ist natürlich die Bekanntgabe der Beförderungen und Ehrungen, die am Jahrtag vorgenommen werden.

Leutnant Manfred Hermann Müller gab die Übersicht zu den Terminen der Bürgerwache aus, der Schwerpunkt liegt dieses Jahr eindeutig im eigenen Städtle mit dem Landestreffen und den Heimattagen.
Als Tutor des Bürgerwach-Chores richtete er seinen Dank an den Dirigenten Josef Grüner, die Sänger dieses einzigartigen Chores und im Besonderen an die Saulgauer Kameraden für ihre Unterstützung.

Dietmar Hinderhofer äußerte die Hoffnung auf den Zugewinn von weiteren Mitgliedern in den Zügen und gab als Stichworte für Verbesserungen Ausrücktreue, Uniformpflege und Pünktlichkeit aus.

Somit lag der Ball bei Bürgermeister Philip Schwaiger, den letzten Akt mit der Entlastung der Vorstandschaft vorzunehmen. Auch diese ging ohne Gegenstimme über die Bühne und das Stadtoberhaupt richtete in seinem Grußwort den Dank und die Bitte an die Traditionsgemeinschaft, auch weiterhin die Stadt mit ihrer 750-jährigen Geschichte zu repräsentieren.
Mit dem Bürgerwachlied wurde die harmonisch verlaufene Sitzung beendet.
Text: Franz Feinäugle
Fotos: Markus Haile
